Einen außerordentlichen Besuch erwartete das Panzergrenadierbataillon 112 vergangene Woche in der Bayerwaldkaserne. Eigens mit Hubschrauber flog der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Dr. Feuding ein. Mitgebracht hat er einen neuen Auftrag für den Verband, die Bayerwaldgrenadiere werden ab 01.01.2027 zeitweise der Panzerbrigade 37 unterstellt und stellen zusammen mit deren Verbänden den deutschen Anteil der „Forward Land Forces“ kurz FLF, der NATO.
Mit der Annexion der Krim, dem Angriffskrieg auf die Ukraine und den zunehmenden Aggressionen Russlands auch auf europäische Staaten, sah sich die NATO gezwungen ihre Ostflanke mit erhöhter Militärpräsenz zu stärken. Vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer stellen vornehmlich europäische NATO-Mitgliedsstaaten Personal und Material zum Schutz der Ostflanke bereit. Diese militärischen Verbände, die bis Brigadestärke vorgesehen sind, werden als Forward Land Forces bezeichnet. Sie sind entweder bereits an der Ostflanke dauerhaft stationiert oder können binnen weniger Tage dorthin verlegt werden. Deutschland übernimmt hierzu die Verantwortung zum Schutz des NATO-Gebiets in Litauen. Die Panzerbrigade 37, deren Verbände vornehmlich in Sachsen und Thüringen beheimatet sind, wurde für diesen Auftrag ausgewählt. Bei der Erprobung und Umsetzung der neuen digitalen Führungsmitteln auf allen Fahrzeugen der Brigade konnte man diese jedoch noch nicht zufriedenstellend in die Schützenpanzer Marder der jeweiligen Panzergrenadierbataillone der Brigade integrieren. Der Inspekteur des Heeres sah sich dadurch gezwungen, einen anderen Verband der Brigade 37 zu unterstellen, mit welchem die Führungsfähigkeit aller Fahrzeuge untereinander gewährleistet werden konnte. Die Wahl traf schließlich die Bayerwaldgrenadiere aus Regen. Bereits 2022 bis 2024 stellte das Panzergrenadierbataillon 112 Kräfte für die „Very High Readiness Joint Task Force“, der schnellen Eingreiftruppe der NATO, unter der Führung der Panzerbrigade 37. Entsprechend war der Entschluss von Generalleutnant Dr. Freuding klar nachvollziehbar, denn die Verbände hatten bereits intensiv zusammen geübt und gearbeitet, außerdem hatten die Bayerwaldgrenadiere bereits Erfahrung was es heißt sich über einen längeren Zeitraum abrufbereit zu halten und verfügten mit dem Schützenpanzer PUMA VJTF über einen der modernsten Schützenpanzer der Welt.
Bei seinem Besuch in Regen verkündete der Inspekteur des Heeres nicht nur den neuen Auftrag an das Bataillon, er verwies auch auf die größten strukturellen Änderungen der Bundeswehr seit ihres Bestehens. Bedingt durch die moderne Kriegsführung will sich das Heer mit seinen Verbänden neu aufstellen, denn in vielen Aspekten hat sich die Gefechtsführung grundlegend geändert. Landbasierte Operationen finden zukünftig in engem Zusammenspiel mit unbemannten Luft- und Landfahrzeugen statt. Künstliche Intelligenz wird bei Zieldatenauswertung unterstützen. Das Gefechtsfeld wird „gläsern“, denn beide Seiten auf dem Gefechtsfeld werden bedacht sein jegliche Aktionen schnell zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. Sich diesem Einfluss zu entziehen wird Prämisse werden, wodurch das Heer bald Einheiten und Züge in die Verbände integriert, welche ausschließlich den Kampf unbemannt suchen werden. Die Heeresflugabwehr wird wieder neu aufgestellt und mit präzisen und zuverlässigen Systemen ausgestattet. Einheiten der elektronischen Kampfführung werden starke Maßnahmen ausbringen, um alles zu bewirken, was der Gegner Funkgebunden zu Nutzung bringt, gleichzeitig werden sie Gegenmaßnahmen durchführen, um die eigenen Kräfte vor Angriffen dahingehend zu schützen. Dies alles trägt dazu bei, dass sich die Bundeswehr insgesamt und das Heer speziell auf die neue Art der Kriegsführung einstellt und im Fall der Fälle handlungssicher ist.
Um dem Dienstgradhöchsten Soldaten des Deutschen Heeres ein Bild von den Bayerwaldgrenadieren und deren Tatkraft zu präsentieren, hat das Panzergrenadierbataillon eine Breite Palette an Stationen aufgebaut, dabei galt der Schwerpunkt den Innovationen, welche der Verband in der Gefechtsstandarbeit vorangetrieben hat und wie die Grenadiere die Implementierung von Drohnen in Ausbildung und Übung umsetzen. Dabei sind die Regener Grenadiere richtungsweisend und gelten längst als Garant für schnelle und unkomplizierte Umsetzung von Neuerungen.
Für die Bayerwaldgrenadiere bedeutet der neue Auftrag nun, dass alle Fahrzeuge mit den neusten Funkgeräten eingerüstet werden müssen, um auch mit den Fahrzeugen der Brigade 37 kommunizieren zu können. Weiterhin gilt es die Einsatzbereitschaft von Material und Personal weiter hoch zu halten und alle Voraussetzungen für eine schnelle Reaktionsfähigkeit zu schaffen, um im Alarmfall zügig an die NATO-Ostflanke zu verlegen. Auch die Befähigung der Soldatinnen und Soldaten zum Bedienen von Drohnen wird weiter voran-getrieben. Durch Weiterbildungen wird das neue Kriegsbild vermittelt, Handlungsabläufe anschaulich beübt und was der Kommandeur des Bataillons nun noch stärker forciert ist die Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Robustheit seiner unterstellten Bayerwaldgrenadiere. Der Dienstalltag im Panzergrenadierbataillon 112 ist geprägt von Sporteinheiten, Gefechtsdienst, Vorbereitungsmaßnahmen und Planungen zur Umsetzung des neuen Auftrags. Sie bestätigen damit ihren guten Ruf im Heer, dass auf die Bayerwaldgrenadiere stets 112% Verlass ist!
Titelbild: Oberstleutnant Papendorf, Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 112 mit dem Inspekteur des Heers, Generalleutnant Dr. Freuding sowie in der Mitte Hptm Huber KpEinsOffz 1./112 (Bild: Dorow, PIZ H)
Bericht: Sigl, Bundeswehr
