In der Geschichte des Regener Panzergrenadierbataillons 112 gibt es wohl kaum einen Tag, der so tiefe Spuren hinterlassen hat wie der 18. Februar 2011. Am Observation Point NORTH in Afghanistan verrichteten die Bayerwaldgrenadiere an diesem Tag routinemäßige Wartungsarbeiten an ihren Marder-Schützenpanzern – eine schweißtreibende Präzisionsarbeit unter der brennenden
Sonne, bei der Kettenpolster mit dem Vorschlaghammer gewechselt wurden. Mitten in diese konzentrierte Arbeitsatmosphäre platzte das Unvorstellbare: Ein afghanischer Soldat, der eigentlich zum Schutz des Feldlagers eingesetzt war, eröffnete völlig überraschend das Feuer auf die arbeitenden deutschen Grenadiere. Der heimtückische Angriff forderte drei Todesopfer – Hauptfeldwebel Georg Missulia, Stabsgefreiter Konstantin Menz und Hauptgefreiter Georg Kurat – und hinterließ zahlreiche Verletzte sowie ein tief erschüttertes Bataillon. Das Versprechen, das die Kameraden während der überwältigenden Anteilnahme bei der Trauerfeier in der Heimat gaben, hält bis heute: Niemand wird vergessen. Zum 15. Jahrestag dieses Anschlags setzten die Soldaten nun ein besonderes Zeichen der Verbundenheit, wie die Presseabteilung des Bataillons mitteilt. In einem Gedenkmarsch von der Bayerwaldkaserne zur Burgruine Weißenstein trugen sie einen rund 100 Kilogramm schweren Baumstamm durch die verschneite Landschaft. Auf dem Holz waren 26 gravierte Erkennungsmarken befestigt – jede einzelne steht für einen Kameraden, den das
Bataillon seit seiner Gründung viel zu früh verloren hat. Der beschwerliche Aufstieg zur Burgruine wurde dabei zur kraftvollen Metapher für die Trauer selbst. Das Gewicht des Stammes, das Schmerzen in Armen und Beinen verursachte, spiegelte den seelischen Schmerz wider, den der Verlust eines Freundes hinterlässt. Doch wie beim Tragen des Stammes, bei dem sich die Soldaten abwechselten und stützten, bewies sich auch hier: In der Kameradschaft wird die Last des Einzelnen durch die Gemeinschaft erträglicher. Der Marsch erinnerte jeden Teilnehmer zudem an die harte Realität des Soldatenberufs, in dem der Einsatz für den Auftrag im Extremfall das höchste Opfer fordern kann – eine Gewissheit, die durch zwei neue Todesfälle im vergangenen Jahr schmerzlich aktuell blieb. Die Gedenkveranstaltung fand schließlich im Beisein der Hinterbliebenen ihren würdigen Abschluss bei einem ökumenischen Gottesdienst im Ehrenhain der Kaserne.
Quelle: Bundeswehr
