Die Bayerwaldgrenadiere üben das Gefecht im Simulator
In den letzten beiden Februarwochen verlegte das Panzergrenadierbataillon 112 aus Regen mit seinem Führerkorps in das unterfränkische Hammelburg. Der Standort ist nicht nur als Heimat der deutschen Infanterie bekannt, sondern verfügt auch über einen sogenannten SIRA-Stützpunkt, hier können Simulationsrahmenübungen auf Bataillonsebene durchgeführt werden.
Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung kann sich noch an die großen Herbstmanöver des deutschen Heeres in den Zeiten des Kalten Krieges erinnern. Damals übten die Streitkräfte den Ernstfall genau in dem Gelände, wo das Gefecht gegen einen vermuteten Angriff aus dem Ostblock geschlagen worden wäre. Eben auch zwischen Dörfern, auf zivilbewirtschaftete Wiesen- und Ackerflächen, fernab der Truppenübungsplätze. Zwar konnte den Soldaten damals ein sehr gutes Bild vermittelt werden, wie sich raumgreifende Gefechte in Deutschland darstellen würden, doch war die Übung auch mit einem hohen materiellen und bürokratischen Aufwand verbunden und dem ein oder anderen Ärger, wenn ein Panzerzug im Gegenstoß schnell aus einer schönen Wiese einen Acker gemacht hat. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kehrte man sich komplett von diesen Übungen ab. Zwar gibt es weiterhin freilaufende Übungen, doch in einem anderen, kleineren Rahmen.
Trotzdem muss besonders das Gefecht der Verbundenen Waffen, also das Zusammenspiel der verschiedenen Kampftruppen und Unterstützungstruppen geübt werden. Genau das geschieht auf Basis einer Simulation am Computer. Diese fühlt sich für den Nutzer an, wie ein Strategiespiel. Eine Geländekarte, auf welcher jeder Fleck mit Geodaten hinterlegt ist bildet die Oberfläche der Simulation, darauf kann der Panzergrenadierzugführer seine Schützenpanzer bewegen, in Stellung befehlen, im Wald unterziehen oder den Feuerkampf gegen Feind führen lassen. Die Befehlsstruktur bleibt jedoch dieselbe, per Netzwerkfunk führt der Kompaniechef seine Züge über seine Handkarte mit Gefechtsbefehlen, der Kommandeur und der Bataillonsstab wiederum führen die Kompanien. Klären die Schützenpanzer in der Simulation Feind auf, oder stehen im Feuerkampf, meldet das der Zugführer weiter und in den jeweils höheren Ebenen kommt es zu einem Lageaufwuchs des Gefechts. Dabei steht der Gefechtsstand des Bataillons mit seinen Zellen und Entscheidungsträgern im Hauptgeschehen der Übung. Für den Feldwebel an der Lagekarte und den Offizieren daneben, welche ständig die Lage beurteilen und dem Kommandeur nach Bedarf Möglichkeiten des Handelns vorschlagen, fühlt sich die Simulation „echt“ an. Nachdem eine echte Erkundung im realen Gelände stattgefunden hat, die Planungen für das bevorstehende Gefecht im Bataillonsgefechtsstand abgeschlossen und die Befehle erteilt worden sind, beginnt die Simulation. Alles geschieht in Echtzeit und entsprechend gibt es Zeiten mit hoher und genauso mit niederer Gefechtsintensität. Das gute daran, in dieser Übung werden keine Panzer bewegt, kein Sprit verbraucht, keine Munition verschossen und keine unterfränkischen Wiesen umgepflügt. Das Beste jedoch an Simulationen ist, man kann sie zurücksetzten und von Vorn anfangen und das schult und festigt Handlungsabläufe, denn diese müssen in einem Gefechtsstand aufeinander perfekt abgestimmt sein, damit am Schluss jeder Einzelne richtig zur Wirkung gebracht werden kann.
Die Bayerwaldgrenadiere haben sehr viel aus dem zweiwöchigen Aufenthalt in Hammelburg gelernt, der Gefechtsstand des Bataillons ist jetzt ein eingespieltes Team. Mit Großen Schritten nähert sich das Bataillon nun dem bevorstehenden Aufenthalt im Gefechtsübungszentrum des Heeres in Letzlingen, nahe Magdeburg. Dort gibt der weitläufige Truppenübungsplatz es her, dass das Bataillon wirklich mit Mann und Maus und eben auch mit dem gesamten Großgerät in Gefechtsgliederung angreifen und verteidigen kann. Für die Regener Grenadiere stellt dies die Kür dar, die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls bestens geschaffen.
