Wehrdienst in der Bayerwaldkaserne – Die Regener Grenadiere stocken in den künftigen Jahren ordentlich auf

„Damals während meiner Zeit beim Bund …“ Früher oder später lenken Männer ab dem mittleren Alter gerne ihr Gespräch auf einen der wohl prägendsten Abschnitte ihres Lebens. Dabei kursieren diese Unterhaltungen um den ein oder anderen Truppenübungsplatzaufenthalt, an dem man am eigenen Leib so mancherlei Entbehrungen erleben musste, von der ein oder anderen „Lumperei“ oder auch von erlebter Kameradschaft, welche bis jetzt auch in den noch zahlreichen Krieger- und Soldatenvereinen aufrechterhalten wird. Auch wenn die Zeit nicht immer als Zuckerschlecken bezeichnet wird und schlechte Erfahrungen genauso dazugehören werden Gespräche über die eigene Wehrdienstzeit regelmäßig mit dem Satz beendet: „g´schadet hat´s noch keinem!“
Mit Aussetzten der Wehrpflicht seit dem Jahr 2011 rückte die Bundeswehr aus dem Fokus der jungen Männer der Bundesrepublik. Knapp 15 Jahre danach sind die Vorgänge hinter dem Kasernenzaun schließlich mehr und mehr zum Mysterium geworden. Berührungspunkte mit den Streitkräften fehlen.
Die Außenpolitische Lage hat sich jedoch bekannterweise in den vergangenen Jahren komplett geändert, sodass die Wehrhaftigkeit der Bundesrepublik als Dauerbrenner in die politischen Diskussionen gerückt ist.

Vom Fragebogen bis zum ersten Antreten
Zum 1. Januar 2026 trat das im Dezember 2025 durch den Bundestag beschlossene Gesetz zur Neustrukturierung des Wehrdienstes in Kraft. Wer nun ab diesem Jahr sein 18. Lebensjahr vollendet, erhält danach postalisch die Aufforderung einen Online-Fragebogen auszufüllen. Junge Männer sind dazu verpflichtet diesen abzugeben, junge Frauen und Personen anderen Geschlechts könne ihn freiwillig ausfüllen. In dem Fragebogen geht es vor allem um zwei Aspekte, das eigene Interesse Wehrdienst zu leisten und über die eigene gesundheitliche Eignung. Wer im Fragebogen angibt tatsächlich am freiwilligen Dienst in den Streitkräften interessiert zu sein, erhält vom Karrierecenter eine Einladung. Dort folgt die medizinische Musterung, um die Tauglichkeit zum Dienst festzustellen. Vornehmlich wird dabei die körperliche, geistige und charakterliche Eignung für den Dienst in der Bundeswehr untersucht. Wer alle Test besteht, kann bei der Einplanung Wünsche äußern, bezüglich seiner möglichen Verwendung, wobei die Karrierecenter Wünsche wie eine heimatnahe Verwendung so gut wie möglich nachgehen. Wem das Angebot von Seiten der Bundeswehr zusagt, kann sich schließlich entscheiden ob er Dienst leisten will und wenn ja, ob er das für mindestens sechs oder maximal 23 Monate tun möchte.
Bewerber, welche einer Verpflichtung als freiwilliger Wehrdienstleistender oder als Soldat auf Zeit zustimmen, finden sich anschließend zügig in den Streitkräften wieder und beginnen dort mit ihrer Ausbildung. In den ersten sechs Monaten gilt jedoch noch die Möglichkeit Widerruf zu ziehen, also das Dienstverhältnis einseitig aufzukündigen.
Der neue Wehrdienst stützt sich damit weiterhin auf Freiwilligkeit, doch mit einer verpflichtenden Komponente: dem Ausfüllen des Fragebogens. Er ist damit ein Kompromiss zwischen schnellstmöglichen Aufwuchs der Streitkräfte und dem Eingriff in die individuelle Selbstbestimmtheit der jüngeren Generationen.

Attraktives Anreizsystem
Um sicherzustellen, dass sich genügend Freiwillige finden und die Truppe dadurch aufwächst, setzt der neue Wehrdienst schlussendlich auf Anreize und diese können sich wohl durchaus vor jungen Menschen sehen lassen! Wer den Dienst in der Bundeswehr beginnt, kann bei einer Verpflichtungszeit zwischen sechs bis elf Monaten mit einem Grundgehalt von 2.600€ brutto im Monat rechnen. Wer sich länger verpflichtet, also zwischen 12 bis 23 Monaten, gilt nicht mehr als freiwilliger Wehrdienstleistender, sondern als Soldat auf Zeit und wird dadurch auch höher entlohnt. Das Anfangsgehalt liegt dann bereits bei 2.700€ brutto pro Monat und steigt mit Beförderungen und Dienstzeit an. Daneben Sorgt die Bundeswehr für kostenfreie Unterbringung in der Kaserne, freie Heilfürsorge und für kostengünstige Verpflegung (rund 10€ täglich für Frühstück, Mittags- und Abendverpflegung). Besonderer Anreiz im Hinblick auf die gestiegenen Kosten zum Erwerb der Führerscheinklassen für PKW und LKW ist eine finanzielle Bezuschussung dessen für Soldatinnen und Soldaten, welche mindestens 12 Monate Dienst leisten. Im Falle des PKW-Führerscheins kann dieser Zuschuss bis zu 3.500€ betragen. Doch nicht nur mit monetären Anreizen kann der Dienst in den Streitkräften lukrativ sein. Greift man den gern genutzten Satz „g´schadet hat´s noch niemanden“ auf, so prägt der Dienst im besonderen Maße. Junge Menschen erhalten die Möglichkeit außerhalb von Schule, erlernten Beruf und Familie ihre tatsächlichen Stärken und Schwächen kennenzulernen. Der Dienstalltag in der Bundeswehr basiert auf „Softskills“ die man speziell innerhalb der militärischen Gemeinschaft ausprägt, wie Pünktlichkeit, Sauberkeit, Teamfähigkeit, Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen und viele mehr. Besonders auf dem heutigen Arbeitsmarkt können jene besser von sich überzeugen, welche sich durch solche gesellschaftlich anerkannte Charaktermerkmale von anderen Bewerbern abgrenzen können.

Neue Rekrutinnen und Rekruten in der Bayerwaldkaserne
Zum 7. Januar 2026 traten rund 50 junge Männer und Frauen ihren Dienst im Panzergrenadierbataillon 112 in Regen an. Sie haben sich schon vor Inkrafttreten des Gesetzes für den Dienst an der Waffe entschieden. Auf sie wartet eine fordernde Zeit. Bereits im Jahr 2024 begann das Bataillon wieder Rekrutinnen und Rekruten am Standort Regen auszubilden. Wer seinen Dienst zukünftig in der Bayerwaldkaserne beginnt, ist Soldat oder Soldatin auf Zeit, welche sich für eine Dienstzeit für mindestens 12 Monate entschieden hat. Wehrdienstleistende mit einer kürzeren Dienstzeit werden an anderen Standorten ausgebildet. Zu Beginn der sogenannten Basisausbildung, die sechs Monate dauert, werden die jungen Soldatinnen und Soldaten an den Dienstalltag „gewöhnt“, sodass die ersten Tage und Wochen dadurch geprägt sind, als dass militärische Gepflogenheiten vermittelt werden. Formaldienst, Grundsatzunterrichte, Einkleidung und Vorbereitung der Ausrüstung stehen im Fokus. Im weiteren Verlauf erhalten die jungen Menschen Ausbildung an Waffen und Gerät. Der Umgang mit dem Gewehr G36 muss genauso erlernt werden, wie der Betrieb von Funkgeräten. Hinzukommen Tätigkeiten des Einzelnen innerhalb der Gruppe. In den ersten drei Monaten liegt dabei der Schwerpunkt darauf, dass die Soldaten in der Sicherung eingesetzt werden können. Sie können also Stellungen graben und diese für begrenzte Zeit verteidigen. Ein Biwak und die Rekrutenbesichtigung, in welcher alle erlernten Fähigkeiten abgefragt werden, schließen diesen Ausbildungsabschnitt ab. Nach drei Monaten werden die Soldatinnen und Soldaten zum Gefreiten befördert, die darauffolgenden drei Monate fokussieren sich auf jene Fähigkeiten, welch sie als Panzergrenadiere benötigen, also den Kampf auf und mit dem Schützenpanzer PUMA, verbunden mit Waffen der Panzergrenadiertruppe, wie dem Maschinengewehr 5, der Panzerfaust 3, der Granatpistole und der Nutzung von Kampfmitteln wie Nebel, Handgranaten und Panzerabwehrrichtminen. Im Anschluss werden die Soldatinnen und Soldaten in jene Einheiten versetzt, in denen sie den Rest ihrer Dienstzeit verbleiben.

Der Standort Regen besitzt viele Vorzüge
Seit Jahren werden die Gebäude der Bayerwaldkaserne erneuert. Bereits im vergangenen Dezember wurde das erste neue Wohngebäude fertiggestellt und übernommen. Soldatinnen und Soldaten, welche zukünftig in diesen Gebäuden untergebracht werden, können sich auf Einzelstuben freuen, mit eigener Nasszelle. Dies bietet ein Maximum an Privatsphäre bei gleichzeitigem Komfort eben auch dort zu leben, wo man arbeitet. Die Truppenküchen besticht bereits seit Jahren mit Verpflegung bester Qualität. Neben einem Frühstücksbuffet kann man mittags zwischen mindestens drei verschiedenen Hauptmalzeiten, verschiedenen Beilagen, einer Vor- und Nachspeise und einem Salatbuffet wählen. Abends erhalten die Soldatinnen und Soldaten ebenfalls eine Warmmahlzeit und ein „Brotzeitbuffet“. Auch nach Dienst kann man innerhalb der Bayerwaldkaserne voll auf seine Kosten kommen, das Betreuungsbüro stellt Medien zur Freizeitgestaltung zur Verfügung, von Brettspielen bis hin zu einer Playstation 5 haben die Soldatinnen und Soldaten ein breites Spektrum, um sich nach Dienst die Zeit zu vertreiben. Auch Fahrten zu Fußballspielen hochklassiger Clubs, sowie Kart- und Pokerturniere werden vom Betreuungsbüro angeboten. Wer sich eher körperlich betätigen will, dem stehen die Sportstätten des Bataillons, darunter ein Kraftraum, zur Verfügung.

Das Panzergrenadierbataillon wird im Jahr 2026 verstärkt Basisausbildungen durchführen und dadurch einen wesentlichen Beitrag zum Aufwuchs der Streitkräfte leisten. Gleichzeitig machen sich die Bayerwaldgrenadiere durch zahlreiche Ausbildungs- und Übungsvorhaben „kriegstüchtig“. Wer sich zukünftig für den Dienst ab 12 Monaten entscheidet und dabei den Wunsch äußert im Panzergrenadierbataillon 112 eingesetzt zu werden, erlebt mit Sicherheit eine prägende, vielseitige und interessante Zeit in den Streitkräften.

Quelle: Bundeswehr
Foto: SB

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