Drohnen – Die winzige Bedrohung aus der Luft

Die Bayerwaldgrenadiere beüben sich im Kampf mit und gegen Drohnen.

Als am 15.09.1916 die ersten britischen Panzer auf die deutschen Schützengräben an der Somme angegriffen haben, waren sich die Militärs wohl nicht bewusst, wie weittragend dieser Moment in der Geschichte sein wird. Über Hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges bestimmen Gefechtsfahrzeuge und darunter immer noch der Panzer das Gefechtsfeld. Die Einführung gepanzerter Fahrzeuge war eine Entscheidung strategischer Reichweite, die das Bild der modernen Gefechtsführung wesentlich geprägt hat.
Mit Blick auf den Russland-Ukraine-Krieg, scheint es so, als dass sich mit der großflächigen Nutzung von Drohnen und weiterer unbemannter Luftfahrzeuge, die Art und Weise, wie jetzt und zukünftig Krieg geführt wird, verändert hat.
Die Bundeswehr hat diese Entwicklung bereits seit Beginn des Krieges verfolgt und begonnen sich dem auch in Ausbildung und Übung zu widmen.
Das Panzergrenadierbataillon 112 bildet bereits seit mehreren Jahren Soldatinnen und Soldaten in der Bedienung von handelsüblichen Drohnen aus. Dabei liegt aktuell der Schwerpunkt der Nutzung auf Aufklärung. So wurden die Kräfte des Aufklärungs- und Verbindungszuges umfänglich mit Drohnen verschiedenster Bauart ausgestattet und in ihrer Bedienung befähigt. Sie bilden die Au-gen des Bataillons. Ganze Geländeabschnitte werden durch den Einsatz von Drohnen „gläsern“, denn nicht die kleinste Bewegung bleibt in einem Raum von bis zu 30km vor den eigenen Kräften unentdeckt. Werden feindliche Kräfte aufgeklärt können diese durch Einsatz von Artillerie zielge-richtet bekämpft werden. Doch auch mit Abwurfsystemen experimentieren die Bayerwaldgrena-diere und sammeln laufend Erfahrungen damit. Zukünftig möchte das Bataillon sogar die Fähigkeit besitzen selbst sogenannte FPV-Drohnen aus dem 3D-Drucker als „Wegwerfprodukt“ herzustellen. Bestückt mit Kampfmitteln können diese Feindkräfte dann gezielter bekämpfen, indem der Pilot die Drohne direkt auf den Gegner steuert und durch Aufprall zur Detonation bringt.
Doch nicht nur im Kampf mit, sondern auch gegen Drohnen müssen sich die Regener Grenadiere wappnen. Das Bataillon wurde hierzu mit „Drohnen-Jammern“ vom Modell HP47+ ausgestattet. Es handelt sich hierbei um Geräte, die Ähnlichkeiten mit normalen Waffen aufweisen, ihre Wirkung ist jedoch anders. Sie senden ein starkes Störsignal auf die anvisierte Drohne, sodass die Signale des Bediengeräts des Feindes überlagert werden und die Drohne für kurze Zeit regungs- und orientie-rungslos in der Luft verbleibt. Zum Absturz kann die Drohne jedoch nicht gebracht werden. Dafür müssen die Bayerwaldgrenadiere mit gezielten Einzelschüssen versuchen das Flugobjekt so zu be-schädigen, dass es vom Himmel stürzt. Zielsicheres Schießen auf kleinste Ziele, auch in der Bewe-gung erfordert höchstes Geschick und das wird aktuell im Bataillon parallel dazu trainiert, mit Erfolg! Nach etwas Übung schaffen es die Schützen regelmäßig gezogene oder geschleppte Drohnen-attrappen zu treffen. Zwar ist diese Art der Drohnenabwehr noch behelfsmäßig, doch stellt sie trotzdem eine Möglichkeit dar sich vor Angriffen oder Aufklärung durch den Gegner zu behaupten. Langfristig ist die Bundeswehr im Aufbau einer starken Flugabwehrtruppe, welche dann den Schutz der eigenen Kräfte am Boden gegen Bedrohungen aus der Luft sicherstellen soll. Zudem werden Abwehrmaßnahmen auch für Fahrzeuge erforscht und getestet, welche einen unmittelbaren Schutz vor Drohnen im Nahbereich gewährleisten können.
Ob mit dem massiven Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen eine ähnliche strategische Ent-wicklung angestoßen wird, wie es im Ersten Weltkrieg mit der Einführung der Panzer auf dem Ge-fechtsfeld war, ist noch abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass dem Einsatz einer neuen Kriegswaffe durch Schutzmaßnahmen seit jeher begegnet wurde. Mit der Ausbildung der Soldatinnen und Sol-daten an der Bedienung und Abwehr von Drohnen bleiben die Bayerwaldgrenadiere jedenfalls am Zahn der Zeit.

Quelle/ Bild: Si, Bundeswehr

Nach oben scrollen